Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sogenannte blaue, grüne und graue Infrastrukturen besser zusammenspielen können. Gemeint sind damit Wasserflächen und -systeme, Freiräume und Grünflächen sowie technische Infrastruktur. Einig waren sich die Teilnehmenden: Die Herausforderungen durch den Klimawandel lassen sich nicht mehr getrennt in einzelnen Fachbereichen lösen. Stattdessen braucht es abgestimmte Konzepte und konkrete Umsetzungen.
Bereits im Grußwort machte Rüdiger Kuhlemann (Kreis Lippe) deutlich, wie breit das Thema aufgestellt ist: Klimaanpassung betrifft nicht nur die Stadtentwicklung und den Tiefbau, sondern auch den Gewässer- und Hochwasserschutz sowie weitere Akteur:innen wie kommunale Betriebe, Ingenieurbüros und den Katastrophenschutz. Auch Prof. Dr.-Ing. Jörg Felmeden (Technische Hochschule OWL, Verbundleiter wasser^plus OWL) betonte zur Eröffnung die wachsende Bedeutung integrierter Ansätze und proaktiver Zusammenarbeit. Dr. Nicolas Rinösl von der Bezirksregierung Detmold verwies zudem auf Fördermöglichkeiten aber gleichzeitig auch die Rolle der Eigenvorsorge.
Ein Beispiel aus der Praxis brachte Leona Aileen Eichel vom Kreis Minden-Lübbecke ein. Sie stellte ein Klimaanpassungskonzept vor, das Kommunen bei der Bauleitplanung unterstützt. Bestandteil ist unter anderem ein „Kompass für die Bauleitplanung“.
Wie konkrete Umsetzung vor Ort aussehen kann, zeigte der Beitrag aus Detmold. Andreas Hoffmann von der Stadt Detmold stellte mehrere Projekte vor, die unterschiedliche Funktionen miteinander verbinden. Dazu gehört unter anderem ein Grundsatzbeschluss, der bei neuen Baugebieten die Erstellung und Einhaltung einer Wasserbilanz vorsieht. Weitere Beispiele sind die Entwicklung von Flächen entlang der Werre, die bei Starkregen gezielt Wasser aufnehmen und gleichzeitig als Naherholungsräume dienen, sowie Maßnahmen zur Starkregenvorsorge in der Innenstadt im Sinne einer „Schwammstadt“. Ergänzend wurden ein Forschungsvorhaben zu Boden-Rohr-Systemen sowie ein Projekt vorgestellt, bei denen Schüler:innen und Studierende in die Gewässerrenaturierung der Werre eingebunden werden.
Die technischen Potenziale der sogenannten grauen Infrastruktur nahm Prof. Dr.-Ing. Jörg Felmeden in den Blick. Dabei ging es um Möglichkeiten, Trinkwasser einzusparen, Energie aus Abwasser zu gewinnen oder enthaltene Nährstoffe künftig stärker zu nutzen. Diese Ansätze gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn die aktuellen Folgen des Klimawandels und die absehbaren weiteren Veränderungen ernst genommen werden und entsprechend gehandelt werden soll – auch vor dem Hintergrund, dass das 1,5-°C-Ziel außer Reichweite gerät und sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen bereits überschritten sind.
Welche Rolle gut geplante Freiräume für die Klimaanpassung spielen können, zeigte Stephan Bracht (SAL Landschaftsarchitektur GmbH). Anhand ausgewählter Beispiele wurde deutlich, wie Grünflächen mehrere Funktionen gleichzeitig übernehmen können – etwa zur Kühlung, zur Wasserrückhaltung und als Aufenthaltsraum.
Ein Impuls zu Best-Practice-Beispielen an der blau-grün-grauen Schnittstelle von Katharina Rochell (Technische Hochschule OWL) leitete in die abschließende Diskussion über. Dabei ging es vor allem um praktische Fragen: Welche Hürden gibt es bei der Umsetzung? Wie lassen sich Maßnahmen finanzieren? Und wie kann die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteur:innen besser gelingen? Deutlich wurde, dass viele Lösungen bereits vorhanden sind – entscheidend ist, sie frühzeitig zusammenzudenken.
Das Forum hat gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen den Disziplinen ist – und dass integrierte Ansätze in der Region weiter an Bedeutung gewinnen.
Quelle: Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (th-owl.de)Bildnachweis: © Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe


