18. Juni 2026 / Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Eintauchen in ein neues Leben: Wie ein Schwimmkurs Grenzen überwindet

Das Wasser spritzt, fröhlich strampeln die Teilnehmenden im Wasser – natürlich gut gesichert von den Trainer:innen...

Veröffentlicht am 18. Juni 2026 um 10:30 Uhr

Begeisterung, Mut und Entdeckergeist prägen den Schwimmkurs, den das International Office der TH OWL gemeinsam mit zwei internationalen Studentinnen ins Leben gerufen hat. Das Angebot richtet sich gezielt an internationale Studierende und verbindet auf besondere Weise Bewegung, Sicherheit und Integration.

Den Anstoß für das Projekt gab Mahshad Badihi aus dem Iran, die im Master Applied Entrepreneurship studiert. „Als ich nach Deutschland kam, war ich ziemlich allein und auf der Suche nach Menschen, mit denen ich schwimmen gehen konnte“, erzählt die 33-Jährige. Gemeinsam mit dem International Office entstand aus der Idee ein Kursangebot für internationale Studierende. 

„Schwimmen ist nicht nur Freizeitgestaltung, sondern eine lebenswichtige Fähigkeit, die Sicherheit, Selbstvertrauen und Teilhabe ermöglicht“, erklärt Kerstin Rosemann vom International Office die Bedeutung des Projekts. Sie organisiert und begleitet das Angebot.

Bereits eine erste Umfrage zeigte den großen Bedarf: 72 internationale Studierende signalisierten Interesse. Der erste Kurs startete mit neun Teilnehmenden im Freizeitbad Eau-Le in Lemgo.

Die Gründe dafür, dass die Teilnehmenden schwimmen lernen möchten, sind unterschiedlich. Nicht überall auf der Welt sind Schwimmunterricht oder leicht zugängliche Schwimmbäder selbstverständlich. „Zum Beispiel im Iran ist Wasser sehr teuer“, erklärt Mahshad. Manche Teilnehmende bringen zudem negative Erfahrungen im Wasser mit. Für sie gehe es deshalb nicht nur darum, Schwimmen zu lernen, sondern auch darum, Vertrauen zurückzugewinnen.

Bei der Umsetzung wird Mahshad Badihi von Sera Sir aus der Türkei unterstützt, die im Bachelor Wirtschaftspsychologie an der TH OWL studiert. Beide begleiten die Teilnehmenden als Kursleiterinnen und verfügen über Erfahrung im Schwimmunterricht.

Mit viel Engagement vermitteln die beiden nicht nur Schwimmtechniken, sondern auch Mut und Selbstvertrauen. Die Trainerinnen begleiten die Teilnehmenden dabei, ihre Angst vor dem Wasser zu überwinden und Schritt für Schritt Sicherheit zu gewinnen. 

„Ich denke, es ist für Menschen jeden Alters wichtig, sich im Wasser sicher zu fühlen“, sagt die 22-jährige Sera, die in ihrer Heimat als Jugendnationalschwimmerin aktiv war. „Wir haben mit den Grundlagen begonnen und niemanden unter Druck gesetzt. Einige Teilnehmende hatten große Angst vor dem Wasser. Trotzdem haben sie weitergemacht, uns vertraut und ihre Ängste Schritt für Schritt überwunden.“

„Wir bringen ihnen verschiedene Schwimmtechniken bei – vom Gleiten und Schweben auf dem Wasser bis hin zu Beinübungen und den ersten Bewegungen des Brustschwimmens. Es ist beeindruckend zu sehen, wie schnell die Teilnehmenden an Sicherheit gewinnen“, beobachtet Mahshad.

Möglich wird der Kurs durch Fördergelder des DAAD aus dem STIBET-Programm (Stipendien- und Betreuungsprogramm). Damit werden die Eintrittskosten für das Schwimmbad finanziert. Zudem erhalten die beiden Kursleiterinnen ein Stipendium für ihr besonderes Engagement.

Für Kerstin Rosemann vom Team des International Office geht die Wirkung des Projekts weit über das Schwimmenlernen hinaus: „Das Angebot vermittelt internationalen Studierenden das Gefühl, mit ihren Bedürfnissen gesehen und ernst genommen zu werden. Gleichzeitig trägt der Kurs zur Willkommenskultur an der Hochschule bei, erleichtert das Knüpfen neuer Kontakte und unterstützt die Integration im Studienalltag.“

Jeden Donnerstag treffen sich die Teilnehmenden nach Feierabend im Eau-Le. Für sie ist der Kurs auch eine Gelegenheit, Menschen außerhalb von Hörsaal und Seminarraum kennenzulernen. Einige von ihnen sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland.

„In unserem Schwimmkurs sind Teilnehmende aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Hintergründen. Das ist wirklich eine sehr gute Möglichkeit, sich in einem neuen Land einzuleben“, sagen die Studentinnen Syeda Khadeeja Naqvi aus Pakistan und Kashish Sharma aus Indien, die beide Information Technology im Master an der TH OWL studieren.

Im Schwimmbecken wird nicht nur gemeinsam gelernt und gelacht – die Teilnehmenden helfen sich auch gegenseitig. 

Abdulwadoud Alikhwan aus Syrien ist Community & Ecosystem Manager der Campus Foundery an der TH OWL und erfahrener Schwimmer. Er verstärkt das Team bei der Betreuung der männlichen Teilnehmer, während Mahshad und Sera die Frauen der Gruppe begleiten.

Er sieht deutliche Parallelen zwischen dem Schwimmenlernen und dem Ankommen in Deutschland: „Man braucht jemanden, der einen in neuen Situationen unterstützt und hilft, mit kulturellen Unterschieden und neuen Erfahrungen umzugehen.“

Wie wertvoll diese Unterstützung ist, beschreibt der Teilnehmer Siddharth Sahassabuddhu aus Indien. Besonders wichtig sei das Gefühl, nicht allein zu sein:

„Wenn mir jemand sagt: ‚Entspann dich, ich bin bei dir und lasse dich nicht allein‘, dann gibt mir die Sicherheit. Es geht nicht nur darum, schwimmen zu lernen. Hier lerne ich, anderen zu vertrauen, neue Freundschaften zu schließen und mich in meiner neuen Umgebung wohler zu fühlen.“

Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Urkunde. Für das Organisationsteam ist das Projekt damit jedoch noch nicht abgeschlossen: Weitere Kurse sind bereits in Planung.

Quelle: Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (th-owl.de)
Bildnachweis: © Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe

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