16. Juli 2026 / Landeskirchenamt

Vergessene Katastrophe im Sudan

Landeskirchlicher Gottesdienst in Lage informiert über die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe

Veröffentlicht am 16. Juli 2026 um 12:55 Uhr

Lage. Mit einem Appell gegen das Vergessen hat die Lippische Landeskirche im Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche in Lage auf die dramatische humanitäre Situation im Sudan aufmerksam gemacht. Unter dem Titel „Denkt dran!“ stand eine der größten, aber in der öffentlichen Wahrnehmung kaum beachteten Krisen der Welt im Mittelpunkt. Es wurde über die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe und konkrete Hilfsprojekte in dem vom Krieg erschütterten Land informiert.

Pfarrerin Renate Kersten leitete durch diesen besonderen Gottesdienst, der die Sommeraktion von Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international aufgriff: „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“. 

Der Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Gemeinde begleitete den Gottesdienst musikalisch.

Prädikantin Sigrun Neuwerth und Landespfarrer Dieter Bökemeier erläuterten, warum der Sudan als „vergessene Katastrophe“ gilt: Gerade lang andauernde Kriege, wiederkehrende Naturkatastrophen oder die Folgen des Klimawandels würden häufig kaum noch wahrgenommen. Für die betroffenen Menschen habe dieses Vergessen gravierende Folgen, weil internationale Unterstützung und politische Anstrengungen oft ausblieben.

Seit drei Jahren leidet das Land, das fünfmal so groß ist wie Deutschland, unter einem erbitterten Bürgerkrieg. Die Hauptstadt Khartum wurde 2019 weitgehend zerstört. Millionen Menschen sind auf der Flucht, viele Regionen kämpfen mit Hunger, zerstörter Infrastruktur und mangelnder Versorgung mit Trinkwasser und medizinischer Hilfe. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen aktuell mehr als acht Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel. Das Leben von 800.000 Kindern ist akut durch Hunger bedroht.

Europa trägt laut Bökemeier eine Mitverantwortung für diesen Konflikt: Zum einen seien da die willkürlichen Grenzziehungen der Briten zu nennen, die bis 1953 Kolonialmacht waren. Zum anderen rüstete die EU 2014 im Interesse der Flüchtlingsabwehr die sudanesischen Grenztruppen mit Waffen aus. Diese Waffen würden unter anderem im jetzigen Konflikt benutzt.

Sabine Hartmann, Referentin für ökumenisches Lernen, erläuterte zusammen mit Renate Kersten die Arbeitsweise der Diakonie Katastrophenhilfe, die 1954 als Hilfswerk der Evangelischen Kirche gegründet wurde.

Die Hilfe im eigenen Land entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zur weltweiten humanitären Nothilfe. Die Arbeit fußt auf drei Säulen: akute Nothilfe, Wiederaufbau und Vorsorge gegen künftige Katastrophen. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen sollen Hilfen möglichst schnell und bedarfsgerecht bei den Betroffenen ankommen.

Auch im Sudan setzt die Diakonie Katastrophenhilfe auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern: Seit 2024 unterstützt sie das sudanesische Netzwerk „Emergency Response Rooms“. Mehr als 200 Nachbarschaftskomitees organisieren Suppenküchen, versorgen Menschen mit Trinkwasser, richten Notunterkünfte ein und helfen Familien, die von Hunger oder Gewalt bedroht sind. Sie kümmern sich darum, dass Kinder Unterricht erhalten und Schwangere medizinisch versorgt werden. Für dieses außergewöhnliche zivilgesellschaftliche Engagement wurde das Netzwerk 2025 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Pfarrerin Renate Kersten betonte in ihrer Predigt, dass es ein urbiblisches Prinzip sei, an eigene Katastrophen zu erinnern. „Denk dran, dass du Sklave in Ägypten gewesen bist“. Jede Familienhistorie enthalte Fluchtgeschichten und ein individuelles „Ägypten“. Der Unterschied sei, dass einige es vergessen, während andere sich daran erinnern und solidarisch handeln.

Mit der Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ wollen die Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international auf kaum beachtete Krisen aufmerksam machen.

Foto: Gottesdienst gegen das Vergessen. Mit Sigrun Neuwerth, Renate Kersten, Dieter Bökemeier und Sabine Hartmann (von links).
Foto: Lippische Landeskirche

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