1. April 2026 / Landeskirchenamt

Hoffnung auf das ewige Leben

Der Talk der Religionen beschäftigte sich mit dem Thema Tod

Veröffentlicht am 1. April 2026 um 14:21 Uhr

Detmold. Buchstäblich um Leben und Tod ging es beim „Talk der Religionen“, der mit rund 70 interessierten Personen im katholischen Gemeindehaus Heilig Kreuz stattfand. Der Umgang der Religionen mit den Verstorbenen und mit Tod und Trauer waren das Thema ebenso wie die verschiedenen Vorstellungen von einem Leben „danach“. Das Gespräch von Vertretern aus Judentum, Islam, Ezidentum und Christentum fand bewusst in einer für alle beteiligten Religionen wichtigen Zeit statt: Kurz vor dem christlichen Osterfest, dem jüdischen Pessach und dem ezidischen roten Mittwoch sowie kurz nach dem islamischen Ramadan.

Josef Kalasch vom kurdischen Elternverein Lippe e.V., der Eziden in Lippe vertritt, beschrieb die ezidische Vorstellung, dass die Seele unsterblich ist. Sie erhält nach dem Tode die Chance sich weiterzuentwickeln, indem sie neu in einem anderen Geschöpf wiedergeboren wird. Der tote Mensch wird begraben mit dem Kopf nach Westen, sodass der Blick, wenn sich der Kopf erheben würde, nach Osten ginge zur aufgehenden Sonne. Die Zeitspanne von 40 Tagen nach dem Tod spielt eine wichtige Rolle im Trauerprozess, da sie oft als eine Phase des Übergangs und der Reinigung der Seele betrachtet wird.

Prof. em. Matitjahu Kellig von der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold beschrieb zunächst die Zukunftserwartung auf den kommenden Messias, der den Shalom für die Welt bringen wird. Für die Seele des Einzelnen gibt es auch die Hoffnung auf das ewige Leben. Der Umgang mit den Toten ist von Respekt ihnen gegenüber geprägt: Es gibt die liebevolle Waschung der Verstorbenen und eine Beisetzung innerhalb von 24 Stunden. Wenn jemand am Sabbat stirbt, sind es 48 Stunden. Die jüdischen Gräber sind für die Ewigkeit bestimmt. Der Grabstein wird erst nach etwa einem Jahr gesetzt.

Nihat Köse vom Islamischen Kommunikationszentrum Detmold e.V. und Hayat Mobarez vom Afghanischen Kulturverein Lippe e.V. berichteten von der muslimischen Totenwaschung und vom Einwickeln des Leichnams in der Regel in ein weißes Tuch. Die Beisetzung erfolgt ebenfalls schnell. Zu den Trauerzeremonien gehört das Gebet in der Moschee und ein Mahl für alle, Symbol für das Leben, das die Angehörigen weiterführen werden. Muslimische Menschen glauben an die Auferweckung aller am jüngsten Tage und an das Gericht, in dem es um das gute oder böse Handeln den Menschen gegenüber geht.

Für das Christentum betonte Dr. Dr. Markus Jacobs vom katholischen Pastoralverbund Lippe-Detmold die Auferstehung Jesu Christi als zentrale Erfahrung der ersten Christen. Christen glauben an die Auferstehung aller. Jacobs sprach von der Hoffnung, dass jeder Mensch nach dem Tod in die Gegenwart Gottes aufgenommen wird. Landespfarrer Dieter Bökemeier von der Lippischen Landeskirche ergänzte, dass die Auferweckung auch als Protest Gottes gegen das Leid und die Handlanger des Todes zu verstehen ist. „Gott ist stärker als der Tod! In der christlichen Trauerfeier geht es zentral um die Lebenden, deren Trauerprozess begleitet werden soll.“

Der Talk der Religionen findet seit 2018 an unterschiedlichen Veranstaltungsorten in Lippe statt. Vertreten waren diesmal die Jüdische Gemeinde Herford-Detmold, das Islamische Kommunikationszentrum Detmold e.V., der afghanische Kulturverein Lippe e.V., der Kurdische Elternverein Lippe e.V., der Katholische Pastoralverbund Lippe/Detmold und die Lippische Landeskirche.

Bild: Religionen im Gespräch: mit Josef Kalasch, Dr. Dr. Markus Jacobs, Dieter Bökemeier, Hayat Mobarez, Nihat Köse. (v.l.) Foto: Lippische Landeskirche

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