20. Juli 2026 / Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold

IHK-Wirtschaftsdialog in Lemgo

Wirtschaft und Verwaltung treffen aufeinander

Veröffentlicht am 20. Juli 2026 um 18:02 Uhr

Zu Gast beim Lemgoer Traditionsunternehmen Gebr. Brasseler, kam beim jüngsten
Kommunalen Wirtschaftsgespräch (KWG) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu
Detmold (IHK Lippe) die heimische Wirtschaft mit Vertretern der Stadt Lemgo zusammen.
Bürgermeister Markus Baier, der 1. Beigeordnete und Kämmerer Frank Limpke sowie
Wirtschaftsförderer Tobias Vietz diskutierten gemeinsam mit Björn Hartmann und Markus
Trachternach (beide Gebr. Brasseler) sowie IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick über
die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten am Standort
Lemgo.

IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick machte zu Beginn deutlich, worum es bei den
KWGs im Kern geht: „Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich vor Ort
engagieren, sonst funktioniert Standortentwicklung nicht. Die KWGs sind dafür die perfekte
Plattform – hier bekommt die Wirtschaft direkt Gehör bei der Kommunalpolitik und der
Verwaltung und gemeinsam lassen sich Herausforderungen und Lösungswege
besprechen.“ Als Gastgeber machte Brasseler-Geschäftsführer Markus Trachternach
deutlich, wie eng das Unternehmen mit Lemgo verbunden ist: „Wir produzieren seit
Generationen an diesem Standort und verstehen uns als familiengeführter Hidden
Champion. Mit rund 1.200 Arbeitsplätzen allein hier in Lemgo ist es uns wichtig, in der Stadt
sichtbar zu sein und uns aktiv einzubringen.“

Bürgermeister Markus Baier zeichnete ein grundsätzlich robustes, aber nicht
unbeeindrucktes Bild der Stadt: Lemgo stehe im regionalen Vergleich finanziell und
wirtschaftlich noch vergleichsweise gut da, wenngleich die Rahmenbedingungen die
Dynamik haben abflachen lassen. Gleichzeitig kämen die Ausschläge der wirtschaftlichen
Krisenlage auch in Lemgo an, weshalb die Stadt ihre Ausgaben im Blick behalten müsse.

„Stadt bedeutet für uns regionale Identität“, brachte Baier die Bedeutung eines lebendigen
Lemgos für die Lebensqualität der Menschen auf den Punkt.

Vielfalt an Themenfeldern im Austausch mit der Unternehmerschaft
Im Bereich Infrastruktur wurde deutlich, dass die Stadt beim ÖPNV ein vergleichsweise
gutes Angebot sieht, ohne einen größeren Ausbau versprechen zu können. Das kostenlose
Schülerticket bleibt für drei weitere Jahre bestehen, für Randzeiten und Randlagen arbeite
man an einem Bürgerbus-Konzept. Beim Zugverkehr wünschen sich Wirtschaft und Stadt
gleichermaßen einen verlässlichen 30-Minuten-Takt Richtung Bielefeld. Das
Planfeststellungsverfahren für die Lemgoer Nordumgehung – seit rund 40 Jahren Thema –
soll Ende 2027 abgeschlossen sein. Aus der Unternehmerschaft kam zudem deutliche Kritik
an der für Lkw ab 7,5 Tonnen gesperrten Bega-Brücke in Lieme, die sich schon seit Jahren
in schlechtem Zustand befindet; die Stadt hat das Thema im Austausch mit Straßen.NRW
hoch priorisiert. Beim Thema Energie bekräftigte die Lemgoer Verwaltungsspitze ihr Ziel,
bis 2035 klimaneutral zu werden, gestützt auf innovative und zugleich wirtschaftliche
Projekte der Stadtwerke Lemgo wie Großwärmetauschern, Wärmespeicher,
Biomassekraftwerk, Fernwärmeausbau oder Windkraft.

Im Themenfeld Fachkräfte stellte Wirtschaftsförderer Tobias Vietz die
Vernetzungsangebote der Stadt vor: vom neuen „I.S.A.“ des Kreises Lippe für
Integrationsfragen über Sprachangebote und das Mehrgenerationenhaus bis zum
Unternehmensnetzwerk im Gewerbegebiet Lemgo West, das gezielt an Themen wie der
Fachkräftegewinnung arbeitet. Bei der Innenstadtentwicklung zeigte sich die Stadt
zufrieden mit der Reduzierung von Leerständen, unter anderem dank neuem
Einzelhandelskonzept, Umbauförderung und -beratung, Innenstadtveranstaltungen und
PopUp-Stores. Der Wandel hin zu einem Mix aus Wohnen, Handel und Gastronomie werde
weitergehen. Für Aufmerksamkeit sorgte das Klimafolgenanpassungskonzepts zum Schutz
der Innenstadt vor Hitze und Starkregen sowie das bis Ende 2027 laufende
Mietreduzierungsprogramm für Neuansiedlungen. Ausdrückliches Lob aus der Runde gab
es für die Renaturierung des Bega-Flussbetts mit der Aktivierung für die Menschen im
Innenstadtbereich. Kämmerer Frank Limpke hofft für 2027 auf eine stabilere
Gewerbesteuer als in 2026, beim Bürokratieabbau verwiesen Baier, Limpke und Vietz auf
rund 60 Verwaltungsprozesse, die sich aktuell in der Digitalisierung befinden sowie auf den
weiteren Ausbau der Lemgo-App.

Kontinuität eines etablierten Dialogformats
Zum Abschluss ordnete Moderator Hinrich Schwarze (IHK Lippe) den Abend in die Tradition
des Formats ein: „Lemgo zeigt an diesem Abend, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und
kommunales Engagement zusammenhängen. Genau das ist der Kern der KWGs, die wir
als lippische Kammer seit 2009 in allen 16 lippischen Kommunen anbieten: den direkten,
konkreten Austausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu ermöglichen, damit aus
Themen auch Lösungen werden.“

Bildunterschrift: Besser ist es, zusammen zu reden, damit die Wirtschaft auch
Gehör findet. IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick, Tobias Vietz
(Wirtschafsförderer der Stadt Lemgo), Frank Limpke (1. Beigeordneter und
Kämmerer der Stadt Lemgo), Lemgos Bürgermeister Markus Baier, Teil der
Brasseler Geschäftsführung Markus Trachternach, Björn Hartmann (Leiter Human
Resources, Brasseler), IHK-Hauptgeschäftsführerin Svenja Jochens und
Moderator Hinrich Schwarze (IHK Lippe) (v.l.n.r.) beim Kommunalen
Wirtschaftsgespräch in Lemgo.
Bildquelle: IHK Lippe

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