3. September 2026 / Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold

IHK-Umfrage: Unternehmen fordern

Geschlossenheit im Wettbewerb mit China

Veröffentlicht am 3. September 2026 um 15:40 Uhr

Der Wettbewerbsdruck aus China hat aus Sicht der nordrhein-westfälischen Wirtschaft deutlich zugenommen. Die Unternehmen fordern deshalb eine koordinierte europäische China-Politik, um fairen Handel zu gewährleisten und die strategische Abhängigkeit von China zu reduzieren. Das zeigt die NRW-Auswertung einer aktuellen bundesweiten IHK-Umfrage, an der sich auch Unternehmen aus Lippe beteiligt haben. China bleibt ein wichtiger Handelspartner, auch für Lippe. Rund 120 Unternehmen in Lippe unterhalten Geschäftsbeziehungen in die Volksrepublik, etwa 100 davon sind im Import- und Exportgeschäft aktiv.

Unternehmen in NRW spüren steigenden Wettbewerbsdruck

76 Prozent der befragten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen nehmen eine zunehmende Konkurrenz durch chinesische Anbieter wahr. Unter den Unternehmen mit Exportgeschäft nach China sind es sogar neun von zehn Befragten. „Der steigende Wettbewerbsdruck aus China trifft auf schwierige Standortbedingungen in Deutschland. Deshalb müssen wir für unsere Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken“, erklärt Matthias Carl, Geschäftsführer der IHK Lippe zu Detmold. Handlungsbedarf bestehe laut Umfrage vor allem beim Bürokratieabbau, schnelleren Genehmigungs- und Planungsverfahren sowie bei wettbewerbsfähigen Energie- und Arbeitskosten.

Ein Rückzug aus umkämpften Geschäftsfeldern kommt bundesweit für 88 Prozent der Betriebe nicht infrage. Stattdessen setzen 60 Prozent der Unternehmen auf Produktinnovation und 50 Prozent auf Kostensenkung. 39 Prozent verstärken die Suche nach neuen Absatzmärkten, um dem zunehmenden Wettbewerb aus China zu begegnen. In NRW sind die Zahlen ähnlich.

Unternehmen fordern gemeinsames europäisches Vorgehen

Die Mehrheit der Unternehmen aus NRW spricht sich für eine koordinierte europäische China-Politik aus. 73 Prozent halten ein abgestimmtes außenwirtschaftspolitisches Handeln der EU für wichtig, 64 Prozent befürworten Maßnahmen zur Verringerung strategischer Abhängigkeiten von China. Mehr als die Hälfte hält zudem einen stärkeren Schutz kritischer Infrastruktur für wichtig.

„China bleibt für viele Unternehmen ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Innovationsmarkt“, so Carl. Deshalb sei hier Fingerspitzengefühl erforderlich. Die Devise laute: Kooperation, wo möglich, und Durchsetzungsfähigkeit, wo notwendig.

So würden immerhin 59 Prozent der Befragten NRW-Unternehmen handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen auch dann unterstützen, wenn ihr eigenes Unternehmen dadurch Nachteile hätte. Die Unternehmen bewerten mögliche Instrumente unterschiedlich: 38 Prozent würden es begrüßen, den Marktzugang zum EU-Binnenmarkt zu beschränken, knapp ein Drittel spricht sich für stärkere Handelsschutzmaßnahmen aus, knapp ein Viertel für den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen.

Nach Einschätzung von Carl schließen sich diese Ansätze nicht aus. Ziel müsse es sein, europäische Interessen zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern.

Hintergrund

Grundlage der Ergebnisse ist eine Befragung der DIHK und der Industrie- und Handelskammern unter ehrenamtlich engagierten Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertretern. An der Umfrage vom 20. Juli bis 10. August 2026 beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen, darunter 248 aus Nordrhein-Westfalen.

Ergebnisse der Umfrage auf Bundes- und Landesebene:

https://www.ihk.de/lippe-detmold/hauptnavigation/beraten-und-informieren/international/marktinformationen/aktuelles-marktinformationen/neuer-inhalt2026-09-02-umfrage-china-7160326) 

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